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04.06.2008, 13:40 Uhr

Ablenkungsmanöver statt Goalie-Entscheidung

Josef Hickersberger lässt die Fans in Sachen Tormann im Dunkeln tappen

Stegersbach – Being Josef Hickersberger – es wäre zu interessant, die Gedanken des ÖFB-Teamchefs nach Pressekonferenzen lesen zu können.

Ob er zum Beispiel am Mittwoch mit sich selbst zufrieden beim Mittagessen saß, weil es ihm wieder einmal gelungen ist, Medienvertreter und TV-Publikum erfolgreich zu verwirren?

Gut möglich. Denn aus dem angekündigten D-Day in der Tormann-Frage wurde nichts.

Die Entscheidung, ob Jürgen Macho oder Geburtstagskind Alex Manninger (wurde Mittwoch 31 Jahre alt) bei der EURO zwischen den Pfosten stehen wird, ist weiter vertagt.

Geben nicht einmal Torhüter bekannt“

Und zwar laut Hickersberger bis unmittelbar vor dem Spiel. „Wir sind der größte Außenseiter dieser EURO. Wir geben die Aufstellung nicht bekannt, jetzt nicht einmal den Torhüter.“ (Reaktion von CRO-Coach Bilic)


Keine Frage: Hickersberger, der das Spiel mit den Medien liebt und die eine oder andere Schwindelei im Verlauf von Mediengesprächen angekündigt hat, hält wieder einmal alle zum Narren. Denn die Begründung für diesen Schritt darf eine Reaktion irgendwo zwischen Schmunzeln und Kopfschütteln hervorrufen.

Da es in den letzten Tagen zu Disziplinlosigkeiten gekommen sei, hätte er die Mannschaft bei der Besprechung am Mittwochvormittag wieder an einige Grundregeln erinnern müssen.

Für die Bekanntgabe des Einser-Goalies sei da keine Zeit mehr geblieben. Diese würde, inklusive Begründung, auch sicher mehr als geschätzte drei bis sieben Minuten dauern...

Hicke kritisiert Undiszipliniertheiten

„Die Torhüter sind unser geringstes Problem. Es ist der Eindruck entstanden, dass einzelne in der Mannschaft nicht mehr mit der gleichen Konzentration bei der Sache sind wie in den Tagen zuvor. Dieses Problem wollten wir heute lösen. Es ist zu Unpünktlichkeiten gekommen, das gehört sofort abgestellt. Das sind einfach Unkonzentriertheiten. Ich lasse solche Kleinigkeiten nicht einreißen.“

Konkret ergaben Nachfragen, dass es sich nur um einen Spieler handelte, der zu spät zu einer Besprechung kam. Viel wichtiger sei bei dieser Manöverkritik gewesen, wieder mehr Qualität ins Training zu bekommen. Die Einstellung bei den Übungseinheiten sei zuletzt nicht mit jener auf Sardinien oder Lindabrunn vergleichbar gewesen: „Da möchte ich an den letzten Tagen vor Turnierbeginn mehr Feuer sehen.“

„Für mich war es an der Zeit, die Mannschaft wachzurütteln. Es ist unsere EURO! Für jeden Spieler ist es die Chance, für sich selbst, das Nationalteam und ganz Österreich viel zu tun. Wie heißt es sprichwörtlich so schön: Wehret den Anfängen!“

Ablenkungsmanöver Hickersbergers?

Alles richtig, gut und schön. Bezüglich der Tormann-Frage sind diese Äußerungen aber tendenziell eher ein Ablenkungsmanöver, die noch dazu einen positiven Nebeneffekt haben.

Während zuletzt im ÖFB-Lager Friede, Freude, Eierkuchen herrschte, hält der Big Boss seine rot-weiß-roten EURO-Hoffnungen auf Trab. Ein mediales Unter-Druck-Setzen, das schon vor zwei Wochen in Lindabrunn bestens funktionierte, als Hickersberger weniger Wehleidigkeit in Bezug auf leichte Verletzungen einforderte.

Spekulationen erlaubt

In der Frage Macho vs. Manninger steckt vermutlich ein anderer Grund dahinter, der Hickersberger von seinem persönlichen Zeitplan abrücken ließ.

 

Möglich wäre zum Beispiel, dass der Einser-Kandidat des Niederösterreichers an einer leichten Blessur laboriert. Hicke betonte immer wieder, gegen Kroatien nicht mit einem Torhüter spielen zu wollen, den die Öffentlichkeit für die eigentliche Nummer 2 hält.

Macho wiederum konsultierte Dienstag während des Schautrainings den Physiotherapeuten. Nicht auszuschließen, dass der AEK-Legionär leicht angeschlagen ist...

Eher unwahrscheinlich ist die Theorie, dass Hickersberger selbst noch nicht weiß, welchen seiner beiden Kandidaten er ins Tor stellen wird, bzw. plötzlich „Bauchweh“ bei seiner Bauchentscheidung bekommen hat – etwa nach Manningers sechs Gegentreffern im internen Test-Match vom Dienstag (siehe LAOLA1-Infos).

Bin kein Sklave meiner Fristen“

Hickersberger selbst lässt die Katze nicht aus dem Satz, bleibt bei seiner eigenwilligen Begründung und meint zum Thema Zeitplan nur: „Ich setze mir Fristen, bin aber nicht an meine Fristen gebunden. Ich habe vorgehabt, am Mittwoch meinen Torhüter zu nominieren. Ich bin aber nicht Sklave meiner eigenen Fristen.“

Beide Torhüter seien konzentriert und hundertprozentig bei der Sache. Bis spätestens Samstag werden sie in die Pläne des 60-Jährigen eingeweiht, sofern das nicht schon längst geschehen ist.

„Es spricht für die Klasse der beiden Torhüter, dass man sich ruhigen Gewissens mit der Entscheidung Zeit lassen kann, und nicht für die Schlauheit oder Dummheit meiner Person.“

Der Teamchef macht, was er will...“

Bis zum endgültigen D-Day in der T-Frage gibt der Teamchef der Öffentlichkeit jede Menge Raum für Spekulationen.

Eine Druck-Situation, mit welcher Hickersberger laut Eigendefination gut leben kann: „Nicht die Torhüter, der Teamchef steht unter Druck. Er lässt sich aber auch nicht beeinflussen und macht sowieso, was er will...“

Aus Stegersbach berichtet Peter Altmann

Quelle: LAOLA1.at